Wer das Elend bauen will : texte XIV° siècle

 

1. Wer das elent bawen wel,

der heb sich auf und sei mein gesel

wol auf sant Jacobs straßen!

Zwei par schuoch der darf er wol

ein schüßel bei der flaschen.

 

2. Ein braiten huot den sol er han

und an Mantel sol er nit gan,

mit Leder wol besezet,

es schnei oder regn oder wähe der wint,

daß in die luft nicht nezet.

 

3. Sack und stab ist auch darbei,

er luog, daß er gebeichtet sei,

gebeichtet und gebueßet!

Kumt er in die welschen lant,

er fidt kein teutschen priester.

 

4. Ein teutschen priester findt er wol,

er waiß nit wo er sterben sol

oder sein leben laßen,

stirbt er in dem welschen lant,

man grebt ihn bei der straßen.

 

5. So ziehen wir durch Schweizerlant ein,

sie haißen uns got welkum sein,

und geben uns ire speise,

sie legen uns wol decken uns warm,

die straßen tuont sie weisen.

 

6. So ziehen wir durch die welschen lant,

die seint uns bruedern unbekant,

das elent mueßen wir bawen,

wir ruofen got und sant Jacob an

und unser liebe frawen.

 

7. So ziehen wir durch der armen Jecken lant,

man gibt uns nichts dan apfeltrank,

die berge mueßen wir steigen;

gäb man uns öpfel und pirn gnuok,

wir äßens für die feigen.

 

8. So ziehen wir durch Soffeien hinein,

man geit uns weder grot noch wein,

die seck stänt uns gar läre;

wo ein brouder zu dem andern kumt

der sagt im böse märe.

 

9. So ziehen wir zu sant Spiritus ein,

man gibt uns brot und guoten wein,

wir leben in reichem schalle,

Langedocken und Hispanierlant

das loben wir brueder alle.

 

10. Is ligen fünf berg im welschen lant,

die seint uns pilgram wolbekant:

Der erste haist Runzevalle,

und welcher bruoder darüber get,

sein backen werden im schmalle.

 

11. Der andere haist der Monte Christein,

der Pfortenberk mag wol sein bruoder sein,

sie seint einander vast gleiche,

und welcher bruoder darüber get

vordient das himmelreiche.

 

12. Der vierte haist der Rabanel,

darüber laufen brueder und schwester gar schnel,

der fünfte haist in Alle Fabe,

da leit vil manches bidermans kint

auß teutschem lant begraben.

 

13. Der künig von Hispanien der fuert ein kron,

er hat gebawet drei spital gar schon

in sant Jacobs eren,

und welcher bruoder darin kumt;

man beweist im zucht und ere.

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Les strophes 14-23 racontent l'histoire du maître d'hôpital de Burgos, qui conduisit plus de 400 pèlerins à la mort, fut reconnu coupable seulement par l'enquête personnelle du roi, et pendu avec sa fille.

 

14. Es war dem spitalmeister nit eben fierd

halbhundert brüdern hat er vergeben

gott lass nit ungerochen zu burges

ward er an eyn kreutz gehefft

mit scharfen pfeilen durchstochen

 

15. Der könig der war eyn biderman

in bilgramkleider legt er sich an

seyn spital wolt er beschauen

was im die teutschen brüder sagten

das wolt er nit glauben

 

16. Da ging er in daz spital eyn

er hiesz im bringen brot und weyn

die suppe die war nit reine

spitalmeister lieber spitalmeister mein

die brot sind vil zu kleine

 

17. Der spitalmeister war eyn zorniger man

der greulich hat dich herein gethan

daz nympt mich nimmer wunder

undt werstu nit eyn welscher man

ich vergeb dir wie die teutschen hunde

 

18. Undd da es an den abent kam

die brüder wollten schlafen gahn

der pilgram wollt schlafen alleine

spitalmeister lieber spitalmeister meyn

die pet sein nit gar reine

 

19. Er gab dem pilgram eyn schlack

daz er von herzen sehr erschrack

er thet zu dem spital ausslauffen

die andern brüder theten

den spitalmeister ser rauffen

 

20. Da es an den morgen kam

man sach vil gewapende rman

zu dem spital eindringen

man fingh den spitalmeister und

al sein hausgesinde

 

21. Man bandt in auff ein hohes ross man

furt in gen purges auff das schlo?

man thet in in eyn eysen einschliessen

es thet den spitalmeister gar sere

undt hardt verdriessen

 

22. Der spitalmeister het eyn tochterleines

mocht recht wol eyn schelkin seyn

es nymmpt mich immer wunder

das der liebste vater meyn

sol sterben von wegen der teutschen hunde

 

23. es stund eyn bruder nahe darbey

nun sol es nit verschwiegen sein

ich wil es selber klagen

da ward daz selbig tochterlein

unter dem galgen begraben

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24. Sih bruoder, du solt nit stiller stan!

Vierzig meil hastu noch zu gan

wol in sant Jacobs minster,

vierzehen meil hin hinter baß

zu einem stern haißt Finster.

 

25. Den Finstern Stern wellen wir lan stan

und wellen zu Salvater ein gan,

groß wunderzaichen an schawen;

so ruofen wir got und sant Jakob an,

und unser liebe frawen.

 

26. Bei sant Jakob vergibt man pein und schult,

der liebe got sei uns allen holt

in seinem höchsten throne!

Der sant Jacob dienen tuot,

der lieb got sol im lonen.

    

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                                                                       13/06/2010

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