Schiller

 

   

                                                    Friedrich Schiller: Der Pilgrim

 

                                                          

 

Noch in meines Lebens Lenze

War ich und ich wandert aus,

Und der Jugend frohe Tänze

Ließ ich in des Vaters Haus.

 

All mein Erbteil, meine Habe

Warf ich fröhlich glaubend hin,

Und am leichten Pilgerstabe

Zog ich fort mit Kindersinn

 

Denn mich trieb ein mächtig Hoffen

Und ein dunkles Glaubenswort,

Wandle, rief's, der Weg ist offen,

Immer nach dem Ausgang fort.

 

Bis zu einer goldnen Pforten

Du gelangst, da gehst du ein,

Denn das Irdische wird dorten

Himmlisch unvergänglich sein.

 

Abend ward's und wurde Morgen,

Nimmer, nimmer stand ich still,

Aber immer blieb's verborgen,

Was ich suche, was ich will.

 

Berge lagen mir im Wege,

Ströme hemmten meinen Fuß,

Über Schlünde baut ich Stege,

Brücken durch den wilden Fluß.

 

Und zu eines Stroms Gestaden

Kam ich, der nach Morgen floß,

Froh vertrauend seinem Faden

Warf ich mich in seinen Schoß.

 

Hin zu einem großen Meere

Trieb mich seiner Wellen Spiel,

Vor mir liegt's in weiter Leere,

Näher bin ich nicht dem Ziel.

 

Ach kein Steg will dahin führen,

Ach der Himmel über mir

Will die Erde nie berühren,

und das Dort ist niemals hier!

 

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                                                                       26/02/2008

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