Légende du pendu dépendu : Peiting    

 

                                  Allemagne DEU / Bayern  / Oberbayern  / Landkreis:  Weilheim-Schongau  

                                                                                    Peiting

                                                        Wallfahrtskirche Maria Egg : Tafel

 

                        

 

  Wallfahrtskirche Maria Egg : Tafel jpg

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  Sog. Jakobsbrüdertafel. Unter der Empore, um 1900 laut Weber auf der Empore. Fast quadratische Tafel, gemalt. In 16 Szenen wird das sog. Galgen- bzw. Hühnerwunder dargestellt. In ornamental bemaltem Plattenrahmen Bilder in vier Zeilen zu je vier Bildern angeordnet. Unter jeder Szene befindet sich auf einem gemalten Schriftband in blauem Feld eine Erläuterung des darüber dargestellten Ereignisses in einem Gedicht mit 16 Strophen zu je vier Versen (I-XVI). Laut Weber das erste Mal bereits 1628, laut Angabe auf der Tafel 1850 renoviert.

 

  Maße: H. 158 cm, B. 147 cm, Bu. 0,5–0,7 cm.

  Schriftart(en): Fraktur.

  DI 84, Nr. 208 - Peiting, Wallfahrtskirche Maria Egg - 16. Jh.

   © BAdW München, Inschriftenkommission [1/3]

 

  InschriftInschrift

 

  I. Pilger nehmen Abschied von der Mutter.

Ein Vatter hät im für genomen

wie er Khundt zu Sanckt Jakob Khomen

Mit seinem Sohn ins fehre Landt

Ḅefehlchens Gott gleich Beede sandt.

 

  II. Pilger kommen zum Wirtshaus.

Sie khom(m)en so gar weit hinein

ein Wirth der hieß will khom(m)en sein.

in der Stadt Minikus genan(n)t

Empfangs auch beede beij der hand.

 

  III. Pilger nehmen das Essen ein.

Die Brüder thäten sich er freuen

Ihr Essen thät Gott benedeijen

Der Wirth spricht ihnen zue im Scherz

Aber zu betten habet ihr ein Herz.

 

  IV. Wirt mit Frau, Tochter und Goldbecher.

So bald die Brüder gehen zu schlaffen

Der Wirt thät seiner Tochter schaffen

bring mir an Becher her vom Goldt

die Frau sprach nein das nicht thun solt.

 

  V. Wirt versteckt den Becher im Bündel der schlafenden Pilger.

Dan Gott mecht uns noch noch Weiter straffen

Danoch ging er wa sie thuen schllaffen

steckt ein das Gschir haimlich vnd still,

in sackh Deß Vatters sagt nit viel.

 

  VI. Die Pilger werden gefaßt.

Zue Morgen vor der Statt hin Dan

Greift sie Der Würth Baldt wider An.

Mein Becher habt ihr gschoben ein,

sij schricken vast das kan nit sein.

 

  VII. Die Pilger vor dem Richter.

Gefangen bracht man Sie vor das Gericht

Ist gwißlich wahr und kein Gedicht

Der Sohn beim Richter thete werben

Daß er khunt für seinen Vater sterben ·

 

  VIII. Der Sohn am Galgen.

Der Richter sonst a recht Weiser man(n)

Psind sich nit lang vnd ließ den sohn

Auf henckhen wolt darum nit greinen

Der Vatter ging traurig und weinen.

 

  IX. Der Vater beim Bild des Hl. Jakob.

Gar zue Sanct Jacob klagt sein Noth

Daß Bildt gab ihm Andtwort durch Gott

Dein Sohn lebt vnd khan nit er sterben

Durch Vnrecht soll er nit ver Derben.

 

  X. Der Vater beim Weggehen von der Kirche.

Der Vater war vor freiden so Reich

Danket Gott und sanct Jakob zu gleich

Eilet schnell Dem Galgen zue

Hat derweil tag vnd nacht Khein Rue.

 

  XI. Der Vater findet den Sohn lebend am Galgen.

So baldt der Vatter Khombt Herbey

Fragt den sohn ob er lebent sey,

Mit Andtwort thedt er ihme sagen

Vatter geh zur Obrigkeit thu unsre Unschuld / klagen.

 

  XII. Der Vater vor dem Richter.

Der Vater wolt sich saumen nit

sprach zu den Richter ich euch bitt

thut mir mein Sohn bald geben

den ich hab ihm gsehen und gfunden am Leben.

 

  XIII. Vater und Soldat mit auffliegenden Tauben.

Der Wirth wolt diesem gar nit glauben

Het auf den Disch zwo bratne Dauben

So wenig thuet dein Sohn noch löben

Als eine da von Disch thuet ströben.

 

  XIV. Vater reicht dem Sohn am Galgen die Hand.

Sobald der Wirth diß wort aussprach

Die Dauben aus der Schüßel flach

ein forcht thät sich erheben

Man thut den Sohn dem Vater geben.

 

  XV. Vater und Sohn auf dem Heimweg.

Mit Freuden gingen sie dan wieder haim

Den Unrecht Muß allzeit gestrafet sein

Am Wirth war es auch so zu hoffen

Weil er den Weg des Unrechts ist gelloffen.

 

  XVI. Der Wirt am Galgen.

Het er gefolgt der Frauen sein und Brüder lassen gangen

Wer er verbliben braver Wirt jetzt dürft er da nicht hangen

Der Geitz hat ihn genomen ein

Drum soll diß hier ein Warnung sein.

 

  Versmaß: Deutsche Reimverse.

 

  Kommentar

 

  Die Tafel, die in Anlehnung an die Legende von Santo Domingo de la Calzada (Spanien) das Schicksal eines unschuldig Verurteilten auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela schildert, gleicht im Aufbau einer ähnlichen Tafel aus Wildsteig, heute im Stadtmuseum Schongau. Während letztere aufgrund der Tracht in das frühe 17. Jahrhundert eingeordnet werden kann, wird die Tafel von Peiting in das 16. Jahrhunderts eingeordnet. Eine Verbindung der beiden Tafeln zu einem Jakobspilgerweg nach Santiago de Compostela kann nicht mit Sicherheit hergestellt werden. Weber weist darauf hin, daß der Text der Peitinger Tafel aufgrund der Dialektformen in Peiting oder seiner Umgebung entstanden sein muß.

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                                                           delhommeb at wanadoo.fr -  17/12/2018